x
Anfrage senden

Heft 43

Erschienen in Heft 43, über musik
Ressort: Feuilleton

Vom Everest nach Abbey Road

Wolfgang Pollanz

Über Zebrastreifen und versteckte Zeichen.

Eigentlich war es ja meine ursprüngliche Intention gewesen, ein, wie ich es nennen wollte, „popmusikalisches ABCarium“ zu verfassen, also „Anmerkungen zur Popkultur“ in 26 Kapiteln in alphabetischer Reihenfolge. Dass daraus nichts geworden ist, hat seine Gründe, aber im Sinne dieser anfänglichen Absicht steht jetzt hier nach dem sich als Ende dieses kleinen Kompendiums mit Essays als Schlusspunkt irgendwo logisch aufdrängenden Text über „das letzte Lied“, also über den Song, der zu meinem  Begräbnis gespielt werden soll, auch noch einer über den berühmtesten Zebrastreifen der Welt, um diesem Buch auf diese Weise eine Art von Klammer zu geben, das Thema „Arschlöcher“ am Anfang, der Zebrastreifen am Ende. Es ist – Sie werden es, verehrte Leserin, verehrter Leser – schon vermutet haben, jener im Londoner Stadtteil Westminster in der Abbey Road 3, Ecke Grove End Road, der seit Dezember 2010 unter Denkmalschutz steht und den man über eine Webcam weltweit ebenso sehen kann wie all die London-Touristen, die ihn besuchen, diesen überqueren und sich dabei fotografieren lassen, der Autor dieser Zeilen eingeschlossen.

Aber wie war es überhaupt zu dem berühmten Foto auf dem Cover des letzten Albums gekommen, das die Beatles gemeinsam aufgenommen haben, ihrem elften, dem  danach nur noch „Let It Be“ folgte, das zwar vorher eingespielt, aber erst im Mai 1970, einen Monat nach der offiziellen Auflösung der Band, veröffentlicht wurde? Paul McCartney hatte die Idee gehabt, die Platte „Everest“ zu nennen, für ein Fotoshooting sollte die Gruppe, die längst zerstritten war und kurz vor ihrer Auflösung stand, in das Himalaya-Gebiet reisen, eine Idee, die möglichweise damit zu tun hatte, dass solch ein gemeinsamer Trip nach Fernost sie wieder zusammenschweißen könnte. Dabei war der geplante und schließlich verworfene Titel nur eine Anspielung auf die Zigarettenmarke „Everest“ des Toningenieurs Geoff Emerick gewesen. Weil keiner seiner Kollegen sich für die erste Idee erwärmen konnte, hatte McCartney eine weitere. Sie sollten einfach raus aus dem Studio gehen und dort fotografiert werden, während sie über den Zebrastreifen liefen. Genau das passiert dann am 8. August 1969, um 11h30 Greenwich Time steht der Fotograf Iain McMillan mit einer Leiter und seiner  Hasselblad-Kamera vor dem Zebrastreifen bei den Abbey-Road-Studios, ein Polizist hält den Verkehr auf. Einen Tag, nach dem dieses Foto, das zu den berühmtesten der Rockgeschichte gehört, fast wie zufällig entstand, ermordete die Manson-Family Roman Polanskis Frau Sharon Tate, eine Woche später begann das Woodstock-Festival, das zugleich Höhepunkt und Ende der Ära ist. Organisator Michael Lang hatte dafür auch die Beatles angefragt, allerdings vergeblich. Zwölf Tage später wird die berühmteste Band der Welt zum letzten Mal gemeinsam im Studio stehen.

 

mehr im Heft

Dieser Text erscheint im Mai 2024 in Wolfgang Pollanz‘ Buch „Von Arschlöchern, weißen Fahrrädern, Scheißfilmen und Zebrastreifen. Anmerkungen zur Pop-Kultur“, dem Band 10 der Reihe „Pop! Goes the Pumpkin“ der Edition Kürbis. Weitere Infos auf www.kuerbis.at.

Das Buch ist mittlerweile erschienen und kann hier erworben werden.

 

Haben Sie Fragen oder möchten Sie ein Heft erwerben? Anfrage senden

Hefte

Heft 43: über musik

Robert Zimmermann kann nicht gut singen. Mundharmonika und Gitarre spielt er auch nicht soooo toll. Aus diesem Grund hat er auch den Literaturnobelpreis bekommen. Und nicht den Polar-Music- oder den

Heft 42: über literatur

Nein nein nein! Die schreibkraft ist keine Literaturzeitschrift. Davon gibt es eh genug. Insbesondere in Graz, der Hauptstadt hoffnungsfroher Manuskripte und nach Publikation und Perspektive lechzender Poesie, der Lichtungen im

Heft 41: wir sind lesenswert

Sie halten Heft 41 der schreibkraft in Händen. Dieses Heft ist zugleich die erste Ausgabe in der Geschichte der „schreibkraft“, die ausschließlich literarische Texte beinhaltet, denn diese Ausgabe ist ganz

Heft 40: verstörend

Es ist schon erstaunlich (und verstörend zugleich), wie lange der Mensch bereits auf Erden existiert, wie viele Jahrtausende er es geschafft hat, dieser Erde keine allzu großen Probleme zu bereiten

Heft 38: aus der welt (Doppelnummer 38/39)

„Immer dort wo Du bist bin ich nie.“ Eleganter als in diesen Zeilen, die Sven Regener für seine Band Element of Crime in anderem Kontext getextet hat, könnte man die

Heft 36: ordinär
(Doppelnummer 36/37)

Das Zauberwort pandemischer Tage heißt „Normalität“. Eben noch, also vor der Corona-Phase, das gering geschätzte Synonym für Fadheit par excellence, avanciert erlebte Norm neuerdings zum Sehnsuchtszustand. Für viele ist sie

Heft 35: bitte wenden

Braucht es zum Wandel eine Krise als Impuls? Liebhaber österreichischer Weinkultur werden dem jedenfalls zustimmen. Der sogenannte Glykolskandal war hierzulande bis jetzt das beliebteste Beispiel für die  Wiederauferstehung einer ganzen

Heft 34: geht's noch?

Aber sicher! Das zumindest würde die schreibkraft-Redaktion dieser – doch allzu oft rhetorisch gemeinten – Frage zunächst entgegenhalten. Um sie, die Frage, dann doch ernst zu nehmen. Wir fragen also

    Anfrage

    Möchten Sie ein Heft bestellen?
    Bitte geben Sie die Heft-Nr. und Ihre Adresse an:

    Ihre Kontaktdaten werden zum Zweck der Kontaktaufnahme im Rahmen dieser Anfrage gespeichert. Mit dem Absenden dieses Formulars stimmen Sie dieser Verwendung zu. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.