Ich muss ehrlich sagen, dass ich irgendwie eifersüchtig auf Musiker bin. Musiker, finde ich, sind nette Leute. Zumindest die, die ich kenne. Irgendwie sind sie „easy-going“, im Gegensatz zu den bildendenden Künstlern. Vielleicht liegt es daran, dass sie gemeinsam spielen, dass sie aufeinander angewiesen sind, während bildendende Künstler Einzelkämpfer sind. Ein Musikerfreund hat mir gesagt, dass ich mich da grundsätzlich täusche. Trotzdem. Es gibt nichts Langweiligeres als Vernissagen, alle sind cool und müssen zeigen, wie toll sie sind. Leider gehöre ich ja zu den bildenden Künstlerinnen und nicht zu den Musikerinnen. Aber irgendwie gehöre ich nirgends hin. Ich kann mich erinnern, als ich einmal zu einem befreundeten Architekten sagte, dass ich bei der Party nicht dazugepasst habe. Er meinte da nur: „Doris, du passt sowieso nirgends dazu.“ Ich könnte das natürlich auch als Kompliment sehen. Aber irgendwie stehe ich immer so alleine herum, schon als Kind. Auf allen Kinderpartyfotos sitze ich alleine,
zum Beispiel als Rotkäppchen.
Ich gehe auch am liebsten alleine ins Museum oder auf ein Konzert. Ich will dabei mit niemandem reden oder Kunst und Musik analysieren. Im Museum will ich zeichnen. Ein Freund, ein Musiker, wundert sich immer, warum ich Stunden im Museum verbringe und zeichne. Wenn ich versuche, ihm zu erklären, dass mich der Bildaufbau, konvex – konkav etc., interessiert, hört er zwar höflich zu, aber irgendwie merke ich, dass er dann schon ein bisschen ein fades Auge bekommt. Aber ich verstehe das. Denn wenn ich sage, dass ich nicht verstehe, wie Improvisation funktioniert und wie man weiß, wer wann was spielen muss, und er von „bars“ und „measures“, „licks“ und „erimprovisiertem Material“ spricht, kenne ich mich auch nicht aus.
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