Mal durch die feudalistische Brille eines einerlei wievielten Ludwig-Königs gesehen, könnte man sie samt und sonders von den Barrikaden holen, all die Strawinskys, Lennons, Davebrubecks, Carlphilippemanuelbachs, Claptonerics, sie der revolutionären Musikbetätigung anklagen und ihnen den Weg aufs Schafott weisen. Die Feudalbrille, es ist eine goldene, abgelegt sind es indessen Siegespodeste, von denen man die Revolutionäre zerren müsste, auf solchen hat man sie es sich bequem einrichten lassen über die Zeit. Dort sind sie längst inthronisiert, pragmatisiert, dokumentarisiert, endgültig hinüberpensioniert. – Auch wenn das jetzt nach Wiener Verkleidungsoperette tönt, waren das schon Helden, diese Musikrevolutionäre weiland, regelrechte Cheguevaras, Nelsonmandelas, Martinlutherkings auf ihrem Gebiet.
Das Medium gab noch genügend her, die Musik war bei Weitem nicht fertigerfunden (jede Menge Patente würden noch eingereicht werden), keinesfalls waren die Klangräume abgeklopft bis in alle Ecken und darüber hinaus in die letzten Gehörgänge hinein.
Heutzutage wird eher das Einstmalige verherrlicht, wir halten uns an die Historie, die ist gutgeheißen und bestätigt von jedem einzelnen verstrichenen Jahr. Das bahnbrechende an den revolutionären Leistungen ist kaum noch jemand imstande nachzuempfinden, davon weiß man höchstens Bescheid. Auch eine Revolution kann in ihrer Wesensart am allerbesten erfasst werden, wenn sie gerade stattfindet. Sie ist, wenn sie ist und nicht war. Eine gewesene tut wie ein fauler Liebesapfel, auf das Aphrodisierende kann lediglich verwiesen werden; und auf die innewohnende Energie, die in der Nacherzählung eine bestenfalls innen-drinnen-schlafende ist. Aber ohnedies hat die Musik solcherlei revolutionäre Dünkel kaum noch nötig, sie braucht nicht beständig wachgeküsst zu werden, sie ist kein Froschkönig, sie ist definitiv
König, eigentlich Königin, sie bleibt es unter Garantie, ist unangefochten, egal, wie lange es her ist, dass sie jemand sich ausgedacht oder eingespielt hat.
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