x
Anfrage senden

Heft 43

Erschienen in Heft 43, über musik
Ressort: Feuilleton

Mister Oberrevolutionär

Adi Traar

Mal durch die feudalistische Brille eines einerlei wievielten Ludwig-Königs gesehen, könnte man sie samt und sonders von den Barrikaden holen, all die Strawinskys, Lennons, Davebrubecks, Carlphilippemanuelbachs, Claptonerics, sie der revolutionären Musikbetätigung anklagen und ihnen den Weg aufs Schafott weisen. Die  Feudalbrille, es ist eine goldene, abgelegt sind es indessen Siegespodeste, von denen man die Revolutionäre zerren müsste, auf solchen hat man sie es sich bequem einrichten lassen über die Zeit. Dort sind sie längst inthronisiert, pragmatisiert, dokumentarisiert, endgültig hinüberpensioniert. – Auch wenn das jetzt nach Wiener Verkleidungsoperette tönt, waren das schon Helden, diese Musikrevolutionäre weiland, regelrechte Cheguevaras, Nelsonmandelas, Martinlutherkings auf ihrem Gebiet.
Das Medium gab noch genügend her, die Musik war bei Weitem nicht fertigerfunden (jede Menge Patente würden noch eingereicht werden), keinesfalls waren die Klangräume abgeklopft bis in alle Ecken und darüber hinaus in die letzten Gehörgänge hinein.

Heutzutage wird eher das Einstmalige verherrlicht, wir halten uns an die Historie, die ist gutgeheißen und bestätigt von jedem einzelnen verstrichenen Jahr. Das bahnbrechende an den revolutionären Leistungen ist kaum noch jemand imstande nachzuempfinden, davon weiß man höchstens Bescheid. Auch eine Revolution kann in ihrer Wesensart am allerbesten erfasst werden, wenn sie gerade stattfindet. Sie ist, wenn sie ist und nicht war. Eine gewesene tut wie ein fauler Liebesapfel, auf das Aphrodisierende kann lediglich verwiesen werden; und auf die innewohnende Energie, die in der Nacherzählung eine bestenfalls innen-drinnen-schlafende ist. Aber ohnedies hat die Musik solcherlei revolutionäre Dünkel kaum noch nötig, sie braucht nicht beständig wachgeküsst zu werden, sie ist kein Froschkönig, sie ist definitiv
König, eigentlich Königin, sie bleibt es unter Garantie, ist unangefochten, egal, wie lange es her ist, dass sie jemand sich ausgedacht oder eingespielt hat.

 

mehr im Heft

Haben Sie Fragen oder möchten Sie ein Heft erwerben? Anfrage senden

Hefte

Heft 43: über musik

Robert Zimmermann kann nicht gut singen. Mundharmonika und Gitarre spielt er auch nicht soooo toll. Aus diesem Grund hat er auch den Literaturnobelpreis bekommen. Und nicht den Polar-Music- oder den

Heft 42: über literatur

Nein nein nein! Die schreibkraft ist keine Literaturzeitschrift. Davon gibt es eh genug. Insbesondere in Graz, der Hauptstadt hoffnungsfroher Manuskripte und nach Publikation und Perspektive lechzender Poesie, der Lichtungen im

Heft 41: wir sind lesenswert

Sie halten Heft 41 der schreibkraft in Händen. Dieses Heft ist zugleich die erste Ausgabe in der Geschichte der „schreibkraft“, die ausschließlich literarische Texte beinhaltet, denn diese Ausgabe ist ganz

Heft 40: verstörend

Es ist schon erstaunlich (und verstörend zugleich), wie lange der Mensch bereits auf Erden existiert, wie viele Jahrtausende er es geschafft hat, dieser Erde keine allzu großen Probleme zu bereiten

Heft 38: aus der welt (Doppelnummer 38/39)

„Immer dort wo Du bist bin ich nie.“ Eleganter als in diesen Zeilen, die Sven Regener für seine Band Element of Crime in anderem Kontext getextet hat, könnte man die

Heft 36: ordinär
(Doppelnummer 36/37)

Das Zauberwort pandemischer Tage heißt „Normalität“. Eben noch, also vor der Corona-Phase, das gering geschätzte Synonym für Fadheit par excellence, avanciert erlebte Norm neuerdings zum Sehnsuchtszustand. Für viele ist sie

Heft 35: bitte wenden

Braucht es zum Wandel eine Krise als Impuls? Liebhaber österreichischer Weinkultur werden dem jedenfalls zustimmen. Der sogenannte Glykolskandal war hierzulande bis jetzt das beliebteste Beispiel für die  Wiederauferstehung einer ganzen

Heft 34: geht's noch?

Aber sicher! Das zumindest würde die schreibkraft-Redaktion dieser – doch allzu oft rhetorisch gemeinten – Frage zunächst entgegenhalten. Um sie, die Frage, dann doch ernst zu nehmen. Wir fragen also

    Anfrage

    Möchten Sie ein Heft bestellen?
    Bitte geben Sie die Heft-Nr. und Ihre Adresse an:

    Ihre Kontaktdaten werden zum Zweck der Kontaktaufnahme im Rahmen dieser Anfrage gespeichert. Mit dem Absenden dieses Formulars stimmen Sie dieser Verwendung zu. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.