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Heft 27

Erschienen in Heft 27, zweifelhaft
Ressort: Rezensionen

Thomas Antonic & Janne Ratia: :
Der Bär im Kaninchenfell. Das unmögliche Leben des Thomas A. J. Ratia

rezensiert von Hannes Luxbacher

In die Vollen

Die fiktive Biographie des Thomas A. J. Ratia langt in die Vollen. Zudem scheint es gegenwärtig unter jungen Germanisten modisch zu sein, fiktive Spielchen mit dem eigenen Namen zu inszenieren (siehe dazu auch die Rezension zu Gerald Linds Zerstörung in diesem Heft). Wo Lind aber den komplett hypertrophen Weg einschlägt und sein gleichnamiges Alter Ego zum umstrittenen Bestseller-Autor stilisiert, schließt Thomas Antonic seinen Namen „lediglich“ mit dem seines Ko-Autors Janne Ratia kurz und schon erblickt Thomas A. J. Ratia (fürderhin TAJR) als Titelheld die Welt. TAJR ist das, was als Stereotyp des Rockstars gelten darf: anmaßend, arrogant, genialisch intelligent und gleichzeitig hochgradig soziopathisch, unverschämt egomanisch, innerlich aber verletzlich und unverstanden (zumindest sieht er sich selbst so und Larmoyanz ob der Unverstandenheit durch die Welt oder wahlweise des Unverständnisses der Welt gehört vielfach zum Selbstbild verletzlicher Künstlerseelen). Diese Klischeeliste kann beliebig weitergeführt werden. Und gesamt gesehen gereicht das dem Buch nicht zum Vorteil. Denn gerade dieses Abarbeiten wohl tradierter Klischees des rockenden weißen Mannes inklusiver verwüsteter Hotelzimmer, Alkohol in, ja genau, rauen Mengen, Rückzug aus der Öffentlichkeit, um den eigenen Mythos zu multiplizieren, abgefackelte Konzertbühnen und Journalisten als natürliche Feinde, sind in so zahlreichen Künstlerbiographien und Erzählungen vorhanden, dass man sie schon gar nicht mehr hören kann. Warum also sollte man sie dann auch noch lesen wollen, vor allem, wenn sich dahinter nicht mal eine echte Person verbirgt, die zumindest als Projektionsfläche für jugendliche Bedürfnisse herhalten könnte? So ist das unmögliche Leben des TAJR, partiell niedergeschrieben aus der Sicht eines glücklichen, weil er den Künstler dann doch treffen darf, zugleich ungemein unbedarften Musikjournalisten nichts weiter als eine weitere Biographie in der Geschichte des Rock’n‘Roll. Das Buch ist zusätzlich mit einem Soundtrack in MP3-Format ausgestattet. Wie eingangs erwähnt: Das Buch langt in die Vollen und greift dann doch ziemlich oft daneben.

Rezensionen

Buch

Stefan Schmitzer:
loop garou – invokationen

2024: Ritter, S. 96
rezensiert von Sophie Reyer

Differenzwiederholungen vom Feinsten „loop garou – invokationen“ – diesen Titel trägt Stefan Schmitzers neuer Lyrikband – und jenes besondere Wortspiel zu Beginn, das einerseits auf den französischen Werwolf („loup garou“),

Buch

Priya Guns:
Dein Taxi ist da

2023: Blumenbar, S. 329
rezensiert von Lisa Höllebauer

Rezension: Eine Taxifahrt durch Welten Wie der Titel bereits ankündigt, erwarten Sie hier bestimmt eine klassische Rezension – und ich verspreche, die kommt auch noch – aber einleitend muss ich

Buch

Kulturinitiative Kürbis Wies (Hg.):
Der Mann, der sich weigert, die Badewanne zu verlassen

2022: Edition Kürbis, S.
rezensiert von Hermann Götz

Der Geist von Wolfgang Bauer … … zu Gast in der schreibkraft-Redaktion. Mit einem Open Call for Minidramen hat die Edition Kürbis einen Coup gelandet: Über 160 Einreichungen zelebrierten vor

Buch

Günther Kaip:
Rückwärts schweigt die Nacht

2022: Klever, S. 140
rezensiert von Stefan Schmitzer

Vergessen, surreal erinnert Günther Kaip verdichtet Lyrik, Prosa und Zeichnungen zu einem traumhaften Ganzen. „Rückwärts schweigt die Nacht“ – der Titel verräumlicht gewissermaßen, was beim Vergessen mit der gelebten Zeit

Buch

Sabine Haupt:
Die Zukunft der Toten

2022: die brotsuppe, S. 216
rezensiert von Hermann Götz

Dreizehn Sabine Haupts Erzählband „Die Zukunft der Toten“ macht Stippvisite auf der dunklen Seite des Mondes. „Jemand musste ihn verraten haben, oder verleumdet, vielleicht auch nur verwechselt.“ Kommt Ihnen bekannt

Buch

Sarah Kuratle:
Greta und Jannis

2021: Otto Müller, S. 232
rezensiert von Hermann Götz

Vom Anfang oder Ende der Zeit Sarah Kuratles märchenhaft dichter Roman Greta und Jannis. Sarah Kuratle hat ein Märchen geschrieben. Oder nein: einen Roman. Einen ganz und gar märchenhaften. Die

Buch

Markus Köhle:
Zurück in die Herkunft

2021: Sonderzahl, S. 208
rezensiert von Hermann Götz

Best of Poetry Markus Köhle wird in Zurück in die Herkunft zum Plagiatsjäger seiner selbst. Ok, über Slam-Poetry bedarf es hier keiner großen Worte. Dass Poesie als performative Kunst gelebt

Buch

Wolfgang Pollanz:
Wie ein Rabe. 66 Song- Stories.

2021: TEXT/RAHMEN, S. 228
rezensiert von Hermann Götz

Paperback Writer Der Song als Story oder was passiert, wenn Wolfgang Pollanz Bob Dylan & Co in Prosa übersetzt. Weltberühmt in der Steiermark ist wahrscheinlich eine zweifelhafte Einordnung. Auf Wolfgang

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