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Heft 27

Erschienen in Heft 27, zweifelhaft
Ressort: Rezensionen

Manfred Chobot:
Mich piekst ein Ameisenbär. Weltgeschichten

rezensiert von Klaus Ebner

Generationen

69 Weltgeschichten und ein Ameisenbär in Manfred Chobots neuem Erzählband

Schon der Titel Mich piekst ein Ameisenbär verrät unverhohlen, dass da Skurriles und Witziges auf uns warten. Den Anfang macht eine Geschichte über einen ungewöhnlichen Weltreisenden, der „eine Rundreise um die halbe Welt“ unternimmt, aber kaum Geld mit dabei hat. Der Ich-Erzähler nimmt sich seiner beratend an und erfährt andererseits immer mehr Details aus dem Leben des Reisenden, der Hilfsarbeiten bei der Post verrichtet, zwecks Finanzierung seiner Weltreise einen von der Mutter geerbten Fischteich verkauft hat und dafür von seiner Cousine mit einem Entmündigungsverfahren bedacht wurde. Mit großer Sparsamkeit und kleinen Käufen und Verkäufen schlägt der Reisende sich durch, und bei der Heimkehr wurden aus seinem Ausgangsbudget von 20 Euro immerhin 130 Dollar.

Viele der skurrilen Geschichten erinnern an Ephraim Kishons Satiren. Spätestens der Titel Einchecken, wo es um den Flug eines österreichischen Autors zu einem Schriftstellerkongress in Israel geht, scheint diese Referenz zu bestätigen. Natürlich fliegt er mit El Al. Die pingelige Befragung durch ein Sicherheitsbeamten-Pärchen noch vor dem Abflug treibt den Autor fast zur Verzweiflung, und wir fühlen mit ihm. Da geht es um unbedeutende Details zu Hotel und Aufenthaltsort und die Frage, warum der Autor überhaupt eingeladen wurde. Diskussionen um nichts, denen die beiden Beamten aber offensichtlich größte Bedeutung zumessen. Gelungener Schlusssatz des nun auf den Aufruf zum Einstieg wartenden Autors: „Mir war nach einem koscheren Glas Wein.“
In Aug‘ um Aug‘ – Euro um Euro wird von Astrid erzählt, die in Brno/Brünn mit ungültigem Fahrschein in der Straßenbahn erwischt wird – sie hatte die Zonengrenze übersehen. Verzweifelt sucht Astrid zu erklären, dass ihr das System der Kurzzonen zu wenig bekannt sei und sie keineswegs schwarzfahren wollte, was die Tatsache beweise, dass sie sich im Besitz eines zumindest bis zur Zonengrenze gültigen Fahrscheins befinde. Das Gespräch wird dadurch erschwert, dass sie nur einfachste Grundkenntnisse des Tschechischen hat und der Kontrolleur anscheinend weder Deutsch noch Englisch versteht. Am Schluss jedoch, als sie – wütend – die Strafzahlung leistet, eröffnet ihr der Kontrolleur „in tadellosem Deutsch“, dass er in Wien auf der Donauuferautobahn hatte Strafe zahlen müssen, weil er 10 km/h zu schnell unterwegs gewesen war. Fazit: „Ich war zehn Stundenkilometer zu schnell und Sie waren zwei Stationen zu weit.“ Szenen wie diese finden immer wieder auch ihren Weg in die Tagespresse. Augenmaß und Entgegenkommen scheinen hingegen in dieser unserer Welt – oder Zeit – ein eher verlorenes Dasein zu fristen.

Die insgesamt 69 „Weltgeschichten“ sind in sechs Abschnitte unterteilt, welche die Texte eher lose zusammenhalten. Mich piekst ein Ameisenbär steht dabei nicht nur für den Titel des ganzen Buches, sondern auch eines der Abschnitte und einer Kurzgeschichte darin. Die hat natürlich nichts mit einem Ameisenbären zu tun, sondern mit einer modernen jungen Städterin. Sozusagen. Aber die Details sollen hier nicht verraten werden. Kurzgeschichten haben ja den großen Vorteil, dass man sie auch zwischendurch lesen und genießen kann. In der Straßenbahn, auf Reisen, in einer Pause. Wobei die Leser speziell bei diesem Buch keineswegs davor gefeit sind, dann nicht mehr aufhören zu wollen.

Rezensionen

Buch

Stefan Schmitzer:
loop garou – invokationen

2024: Ritter, S. 96
rezensiert von Sophie Reyer

Differenzwiederholungen vom Feinsten „loop garou – invokationen“ – diesen Titel trägt Stefan Schmitzers neuer Lyrikband – und jenes besondere Wortspiel zu Beginn, das einerseits auf den französischen Werwolf („loup garou“),

Buch

Priya Guns:
Dein Taxi ist da

2023: Blumenbar, S. 329
rezensiert von Lisa Höllebauer

Rezension: Eine Taxifahrt durch Welten Wie der Titel bereits ankündigt, erwarten Sie hier bestimmt eine klassische Rezension – und ich verspreche, die kommt auch noch – aber einleitend muss ich

Buch

Kulturinitiative Kürbis Wies (Hg.):
Der Mann, der sich weigert, die Badewanne zu verlassen

2022: Edition Kürbis, S.
rezensiert von Hermann Götz

Der Geist von Wolfgang Bauer … … zu Gast in der schreibkraft-Redaktion. Mit einem Open Call for Minidramen hat die Edition Kürbis einen Coup gelandet: Über 160 Einreichungen zelebrierten vor

Buch

Günther Kaip:
Rückwärts schweigt die Nacht

2022: Klever, S. 140
rezensiert von Stefan Schmitzer

Vergessen, surreal erinnert Günther Kaip verdichtet Lyrik, Prosa und Zeichnungen zu einem traumhaften Ganzen. „Rückwärts schweigt die Nacht“ – der Titel verräumlicht gewissermaßen, was beim Vergessen mit der gelebten Zeit

Buch

Sabine Haupt:
Die Zukunft der Toten

2022: die brotsuppe, S. 216
rezensiert von Hermann Götz

Dreizehn Sabine Haupts Erzählband „Die Zukunft der Toten“ macht Stippvisite auf der dunklen Seite des Mondes. „Jemand musste ihn verraten haben, oder verleumdet, vielleicht auch nur verwechselt.“ Kommt Ihnen bekannt

Buch

Sarah Kuratle:
Greta und Jannis

2021: Otto Müller, S. 232
rezensiert von Hermann Götz

Vom Anfang oder Ende der Zeit Sarah Kuratles märchenhaft dichter Roman Greta und Jannis. Sarah Kuratle hat ein Märchen geschrieben. Oder nein: einen Roman. Einen ganz und gar märchenhaften. Die

Buch

Markus Köhle:
Zurück in die Herkunft

2021: Sonderzahl, S. 208
rezensiert von Hermann Götz

Best of Poetry Markus Köhle wird in Zurück in die Herkunft zum Plagiatsjäger seiner selbst. Ok, über Slam-Poetry bedarf es hier keiner großen Worte. Dass Poesie als performative Kunst gelebt

Buch

Wolfgang Pollanz:
Wie ein Rabe. 66 Song- Stories.

2021: TEXT/RAHMEN, S. 228
rezensiert von Hermann Götz

Paperback Writer Der Song als Story oder was passiert, wenn Wolfgang Pollanz Bob Dylan & Co in Prosa übersetzt. Weltberühmt in der Steiermark ist wahrscheinlich eine zweifelhafte Einordnung. Auf Wolfgang

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