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Heft 27

Erschienen in Heft 27, zweifelhaft
Ressort: Rezensionen

Boris Bukowski:
Unter bunten Hunden

rezensiert von Hannes Luxbacher

It’s only Rock’n’Roll

Das wundersame Leben als Rockmusiker

Als Laie stellt man sich das Leben als Rockmusiker oft als die ins Extrem getriebene Form der Freizeitgestaltung vor. Lang schlafen, dazwischen ein wenig Zeit an Klavier oder Gitarre verbringen, kurze Aufmerksamkeitsspannen und zum Friseur muss man auch nur alle halben Jahre mal. Rockmusiker sind die Professionalisten der Freizeitgestaltung. Aber denkste. Wer sich schon mal mit den Terminplänen und den Flugzeiten von Musikern auf Tournee beschäftigt hat, wer sich auch nur ein klein wenig für das Thema wegbrechende Musikindustrie interessiert, der versteht, dass nicht alles ein Hit ist, was gut klingt. Bret Anderson, Sänger der Britpop-Band Suede, meinte mal, dass das Abarbeiten von Medienterminen, Fotoshootings und das mürbende Warten auf den Flughäfen dieser Welt die Schattenseite des Musikerdaseins seien. Es sei hinzugefügt, dass das Motschgern auf hohem Niveau ist und Anderson fügte auch hinzu, dass er das eben Genannte gleichzeitig für lächerliche Gründe halte, Beschwerde zu führen angesichts des Umstandes, als Künstler genau das machen zu können, was er in erster Linie machen möchte, und das sei eben Musik.

Boris Bukowski musste zumindest nicht so viel Zeit auf Flughäfen verbringen wie Anderson, dafür war bzw. ist seine Karriere geografisch betrachtet zu beschränkt verlaufen. Als deutschsprachig intonierender Österreicher hatte er ungleich geringere Wirkmächtigkeit in das anderssprachige Europa als sein britischer Kollege. Bukowski hat sich angesichts der Möglichkeiten, Karriere als langhaariger Anwalt oder als akademisch geadelter Rockstar zu machen, für Zweiteres entschieden und konnte in Österreichs Hitparade Nummer-1-Hits verbuchen, die Titel trugen wie Fandango oder Trag meine Liebe wie einen Mantel. Textlich waren die endreimorientierten Lyrics manchmal etwas holprig, inhaltlich aber immer wieder interessant und für deutschsprachige Songtexte unübliche Thematiken verhandelnd. Psychiatrie war da ebenso Thema wie die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau lange bevor Andreas Gabalier seinen Senf zur gegenderten österreichischen Hymne abgab. Mit Unter bunten Hunden liegen nun anekdotenhafte Rückblicke des Künstlers auf eine Zeitspanne vor, in der Österreichs Musiklandschaft anfänglich durchaus als Brachland bezeichnet werden kann bis hin zur Gegenwartsnähe. Bukowski beschreibt in mal mehr, mal weniger launigen Kurztexten gemäßigte Ausschweifungen, Begegnungen mit internationalen Studiomusikern, er schreibt über an Klowänden hängende Promotionsurkunden und Politiker, berichtet von Treffen mit Botschaftern und fragwürdigen Toastsprüchen. Die kurzen Anekdoten geben einen Einblick in das turbulente Leben auf Tour, die Hoffnungen, außerhalb Österreichs musikalisch Fuß fassen zu können, erzählen von gescheiterten Plattenverträgen und dem Stolz, mit diversen Größen der Musik zusammengearbeit zu haben. Bukowski hat einen gesund-distanzierten Blick auf das eigene Tun und die Zeit; überbewertet oder stilisiert wird hier nichts, Selbstbeweihräucherung liegt dem Autor fern. Ein konsequenteres Lektorat hätte dem Buch allerdings gut getan, manche Passagen sind sehr salopp formuliert oder Gedächtnisprotokolle zurückliegender Dialoge oder Gespräche. Da wäre etwas Formgebung mitunter wünschenswert gewesen. Heiter ist das Werk allemal. Wer sich für österreichische Musikgeschichte interessiert und die das Indie-Universum prägenden elitären Scheuklappen ablegt, kann hier das eine oder andere sympathische Kleinod finden.

Rezensionen

Buch

Stefan Schmitzer:
loop garou – invokationen

2024: Ritter, S. 96
rezensiert von Sophie Reyer

Differenzwiederholungen vom Feinsten „loop garou – invokationen“ – diesen Titel trägt Stefan Schmitzers neuer Lyrikband – und jenes besondere Wortspiel zu Beginn, das einerseits auf den französischen Werwolf („loup garou“),

Buch

Priya Guns:
Dein Taxi ist da

2023: Blumenbar, S. 329
rezensiert von Lisa Höllebauer

Rezension: Eine Taxifahrt durch Welten Wie der Titel bereits ankündigt, erwarten Sie hier bestimmt eine klassische Rezension – und ich verspreche, die kommt auch noch – aber einleitend muss ich

Buch

Kulturinitiative Kürbis Wies (Hg.):
Der Mann, der sich weigert, die Badewanne zu verlassen

2022: Edition Kürbis, S.
rezensiert von Hermann Götz

Der Geist von Wolfgang Bauer … … zu Gast in der schreibkraft-Redaktion. Mit einem Open Call for Minidramen hat die Edition Kürbis einen Coup gelandet: Über 160 Einreichungen zelebrierten vor

Buch

Günther Kaip:
Rückwärts schweigt die Nacht

2022: Klever, S. 140
rezensiert von Stefan Schmitzer

Vergessen, surreal erinnert Günther Kaip verdichtet Lyrik, Prosa und Zeichnungen zu einem traumhaften Ganzen. „Rückwärts schweigt die Nacht“ – der Titel verräumlicht gewissermaßen, was beim Vergessen mit der gelebten Zeit

Buch

Sabine Haupt:
Die Zukunft der Toten

2022: die brotsuppe, S. 216
rezensiert von Hermann Götz

Dreizehn Sabine Haupts Erzählband „Die Zukunft der Toten“ macht Stippvisite auf der dunklen Seite des Mondes. „Jemand musste ihn verraten haben, oder verleumdet, vielleicht auch nur verwechselt.“ Kommt Ihnen bekannt

Buch

Sarah Kuratle:
Greta und Jannis

2021: Otto Müller, S. 232
rezensiert von Hermann Götz

Vom Anfang oder Ende der Zeit Sarah Kuratles märchenhaft dichter Roman Greta und Jannis. Sarah Kuratle hat ein Märchen geschrieben. Oder nein: einen Roman. Einen ganz und gar märchenhaften. Die

Buch

Markus Köhle:
Zurück in die Herkunft

2021: Sonderzahl, S. 208
rezensiert von Hermann Götz

Best of Poetry Markus Köhle wird in Zurück in die Herkunft zum Plagiatsjäger seiner selbst. Ok, über Slam-Poetry bedarf es hier keiner großen Worte. Dass Poesie als performative Kunst gelebt

Buch

Wolfgang Pollanz:
Wie ein Rabe. 66 Song- Stories.

2021: TEXT/RAHMEN, S. 228
rezensiert von Hermann Götz

Paperback Writer Der Song als Story oder was passiert, wenn Wolfgang Pollanz Bob Dylan & Co in Prosa übersetzt. Weltberühmt in der Steiermark ist wahrscheinlich eine zweifelhafte Einordnung. Auf Wolfgang

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